image JSO Bicomplexe® image Andere und sich selbst vor dem Erfrieren retten

Misteln – ein Weihnachtsmärchen?

Misteln

Besonders zur Weihnachtszeit nehmen wir die Mistelpflanze wieder häufiger wahr. Im Winter, wenn die Bäume bereits ihre Blätter verloren haben, können wir die Misteln auf vielen Laubbäumen entdecken. Die kugeligen, parasitären Halbsträucher erinnern dabei an Vogelnester. Die meisten von uns kennen die Mistelzweige dabei als Teil eines Weihnachtsbrauchs aus den USA und England: Ein Paar, das unter einem aufgehängten Mistelzweig steht, muss sich dem Brauch nach küssen. Als Weihnachtsdeko werden Misteln inzwischen auch bei uns zu Sträußen gebunden und aufgehängt.

Der Mistelzweig fasziniert die Menschen seit jeher. In der heutigen Zeit sagen Alternativmediziner der Mistel nach, dass sie bei Krebs wirksam sei. Die Pflanze weckt auch medizinisches Interesse: Die Wirkung ihrer Inhaltsstoffe wird aktuell erforscht. Doch wie wirksam ist die Mistel als Heilpflanze?

Helfen Misteln gegen Krebserkrankungen?

Vor etwa hundert Jahren schlug der Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner aus weltanschaulichen Gründen die Anwendung von Misteln gegen Krebs vor. Er sprach den Mistelpräparaten einen Heilfaktor zu. Heute ist die Mistelpflanze Gegenstand umfangreicher Studien. Sie enthält wie viele Pflanzen, Substanzen, die sie vor Fressfeinden schützen. Einige dieser Stoffe sind auch als potentielle Wirkstoffe interessant. Die Inhaltsstoffe der Mistelpflanze, insbesondere Lektine und Viscotoxine, haben unter anderem eine immunologische Wirkung. Die zytotoxische Wirkung von Viscotoxinen wurde zudem auch an Zellkulturen und in Tierversuchen getestet und belegt. Befürworter der Misteltherapie glauben daher, dass mit Mistelpräparaten der programmierte Zelltod bei Tumorzellen eingeleitet werden kann.

Fachleute sehen die Anwendung von Misteln gegen Krebserkrankungen dagegen kritisch. Insbesondere, weil es bis heute keinen sicheren Beweis für die Wirksamkeit gegen Krebserkrankungen gibt. In den USA sind Mistelpräparate daher auch nicht zugelassen, weil eben ausreichende Belege fehlen. Moderne Studien deuten lediglich darauf hin, dass sich die Lebensqualität Betroffener damit eventuell verbessern lässt. Trotz fehlender Evidenz setzen viele Patienten ihre Hoffnungen weiterhin in die Behandlung mit Mistelpräparaten.

Warum ist das so?

Bereits im Altertum glaubten Menschen an Heilkräfte der Mistelpflanze. Man war der Auffassung, dass sich Gleiches mit Gleichem behandeln ließe. Daher wurde die Mistel früher schon gegen Krebserkrankungen eingesetzt, da sie durch ihre Lebensweise als Halbschmarotzer an ein Geschwür erinnert. Die Mistel wohnt auf anderen Pflanzen und entzieht diesen Wasser und Nährsalze. Krebs wurde ebenfalls als ein Parasit des menschlichen Körpers angesehen, so dass die Menschen früher der Auffassung waren, der Parasit Mistel würde gegen den Parasiten Krebs helfen. Solche Theorien zur Wirkung des Mistelextrakts haben sich über die Jahre hartnäckig gehalten.

Sind Mistelpräparate sicher?

In Deutschland, Österreich und in der Schweiz sind Mistelpräparate die meistverwendeten, komplementären Krebsmittel zur adjuvanten Behandlung. Die Präparate gibt es nur als Injektion und nicht zum Einnehmen. Dabei werden die Lösungen in der Regel subcutan angewendet, was viele Patienten nach Anleitung selbst schaffen. Die Therapie gilt als vergleichsweise sicher und wird von den meisten Menschen gut vertragen. Die Präparate haben aber, wie viele Therapien auch, Nebenwirkungen. Dazu zählen allergische Reaktionen, Entzündungsreaktionen oder grippeähnliche Symptome mit Fieber und Kopfschmerzen. Es sind zudem Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle möglich. Darüber hinaus können sich die Lymphknoten in der Nähe des Einstiches vergrößern. Menschen mit Hautkrebs oder Lymphdrüsenkrebs wird die Misteltherapie deshalb auch ausdrücklich nicht empfohlen. Für die Anwendung in der Stillzeit, während der Schwangerschaft oder bei Kindern sind Mistelpräparate ebenfalls nicht geeignet. Betroffene, die sich einer Misteltherapie unterziehen möchten, sollten auf jeden Fall Rücksprache mit einem Arzt halten.

Obwohl die Wirkkraft der Mistelpflanze nicht ausreichend belegt ist, hilft es vielen, wenn sie daran glauben können. Patienten, die sich einer Misteltherapie unterzogen haben, gaben an, dass sie sich allgemein besser fühlten und ihre Lebensqualität während einer Chemotherapie weniger abnahm. Auch wenn diese Aussagen nicht wissenschaftlich belegt werden können, bieten sie den Betroffenen Trost und Unterstützung. So leistet die Mistel als Pflanze weit mehr, als nur den ein oder anderen Türrahmen in der Weihnachtszeit zu verschönern.

 

Quellen

Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (Dkfz) (Stand 09.2016)

Kooperation Phytopharmaka GbR (Abrufdatum 04.12.18)

Jürgen Reichling. Pschyrembel Online (Stand 04.2016)