PTA-Aktuell

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Symbolbild Darmkrebsvorsorge
Mit gesundem Darmgefühl zur Vorsorge?

2020 steht der Monat März bereits zum 19. Mal im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Auch Apotheken können aktiv werden, etwa indem sie Betroffene ermutigen, mit ihren Angehörigen über das Thema zu sprechen und zur Vorsorge zu gehen.

Etwa 60.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Darmkrebs. Viele Erkrankte sind noch topfit und beschwerdefrei. Das liegt daran, dass sich die Symptome bei Darmkrebs erst spät, meistens zu spät, zeigen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen aus diesem Grund bei Personen ab dem 50. Lebensjahr die Kosten für einen Stuhltest und die Tastuntersuchung im Rahmen der Krebsfrüherkennung. Findet der Test nicht-sichtbares Blut im Stuhl, zahlen sie eine Darmspiegelung deutlich früher. Das gilt auch bei familiärer Vorbelastung und Verdachtsfällen. Aber welche Faktoren begünstigen Darmkrebs? Und welche Rolle spielt die Ernährung dabei? Im folgenden Artikel erfährst du mehr darüber.

Es gibt kein zu jung für Darmkrebs

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Darmkrebserkrankung. Im Rahmen der Krebsfrüherkennung haben alle gesetzlich Versicherten im Alter zwischen 50 und 54 Jahren Anspruch auf einen jährlichen Stuhltest. Da Männer früher und häufiger erkranken, bekommen sie die Darmspiegelung von ihrer Krankenkasse bereits ab 50 Jahren. Bei Frauen trägt die Kasse die Kosten erst ab 55 Jahren. Zur Erinnerung an die Vorsorgeuntersuchung erhalten gesetzlich Versicherte in der Regel zum 50. Geburtstag einen Brief ihrer Krankenkasse. Dann alle 5 Jahre, bis einschließlich zum 65. Lebensjahr. Statistiken belegen aber: die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten. Wenn in der Familie bereits Darmkrebserkrankungen bekannt sind oder Symptome wie Blut im Stuhl, anhaltende Verdauungsbeschwerden oder Bauchkrämpfe vorliegen, sollte früher mit der Vorsorge begonnen werden.

Früherkennung mittels Stuhltest

Im Apothekenalltag fragen Kunden gelegentlich nach einem Stuhltest. Der Test auf okkultes Blut im Stuhl ist vor allem bei Hausärzten, Gynäkologen, Urologen oder beim Internisten möglich. Mit einem sogenannten immunologischen Stuhltest (iFOBT)werden auch kleinste Blutmengen im Stuhl nachgewiesen. Ziel ist es, möglich viele Vorstufen von Darmkrebs zu erkennen und gleichzeitig die Zahl der Fehlalarme gering zu halten.

Kleine und große Hafenrundfahrt

Unter „Hafenrundfahrt“ ist im Medizinerjargon keine Schifffahrt gemeint, sondern die digital-rektale Untersuchung. Vielen Patienten und auch Ärzten ist diese Untersuchung unangenehm. Sie sind aber gerade in Verdachtsfällen sowie zur Vorsorge unbedingt erforderlich.

Bei der Darmspiegelung wird zwischen der „kleinen“ Darmspiegelung (Sigmoidoskopie) und der „großen“ Darmspiegelung (Koloskopie) unterschieden. Die Darmspiegelung gilt derzeit als die zuverlässigste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs. Werden dabei Darmpolypen, also gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, gefunden, sollten diese entfernt werden, da sie sich zu Krebs entwickeln könnten. Damit ist die Koloskopie nicht nur eine Untersuchung zur frühen Erkennung, sondern sie kann auch die Entstehung von Darmkrebs in Vorstufen unterbinden.

Richtige Ernährung kann vor Darmkrebs schützen

Zwischen Arbeitsstress und Familienaufgaben bleibt für gesunde Ernährung oft wenig Zeit. Wer aber nicht darauf achtet, tut sich langfristig keinen Gefallen, denn eine ausgewogene und ballaststoffreiche Kost kann auch das Darmkrebsrisiko senken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen 30 g Ballaststoffe täglich. Das lässt sich zum Beispiel mit einer Portion Müsli, drei Scheiben Vollkornbrot, 2-3 Kartoffeln, zwei Möhren, zwei Kohlrabi, einem Apfel und einer Portion Roter Grütze erreichen. Außerdem sollte rotes und verarbeitetes Fleisch (wie etwa Wurst) nicht jeden Tag auf dem Speiseplan stehen. Die Basis einer gesunden Diät besteht aus ausreichend Flüssigkeit, Obst und Gemüse.

Wenn es um das Krebsrisiko geht, ist eine gemischte und abwechslungsreiche Ernährung ein ebenso entscheidender Lebensstilfaktor wie regelmäßige Bewegung. Eine Einschränkung des Alkoholkonsums und Nikotinverzicht sind ebenfalls empfehlenswert. Mit entsprechenden Beratungstipps und Produktempfehlungen können PTA im HV dazu beitragen, dass die Lebensqualität ihrer Kunden durch eine – oft nur kleine – Umstellung der Ernährung oder Lebensgewohnheiten gesteigert wird.

Zusammengefasst

Es gibt viele Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, aber der Darmkrebs ist die wohl tückischste, da Symptome häufig sehr lange ausbleiben. Aus diesem Grund sollten Risikopatienten, und alle Über-50-Jährigen, das kostenlose Angebot zur Vorsorgeuntersuchung nutzen. Um Darmkrebserkrankungen vorzubeugen, ist ein gesunder Lebensstil äußert wichtig. Hier ist die Apotheke ein wichtiger Ansprechpartner, wo neben Fachwissen, die Informationsweitergabe und Beratung im HV eine große Rolle spielt. Bei apothekia® erhältst du zu ausgewählten Themen regelmäßig Anregungen und Hinweise für ein gelungenes Beratungsgespräch.

Willst du mehr wissen?

Die Grundlagen zu einer gesunden Ernährung vermitteln wir dir in unserem Grundmodul Ernährung.

Quellen

o. A.: Weil früher besser ist – die wichtigsten Fakten zur Darmkrebs-Vorsorge. Bundesministerium für Gesundheit (BMG), 01.Juli 2019 (Stand 11.03.2020)

o. A.: Darmkrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), 21.Januar 2019 (Stand 11.03.2020)

valentinstag2020
Valentinstag – Last-Minute-Ideen für die Apotheke

Es ist mal wieder soweit. Am 14. Februar ist Valentinstag und überall wird mit Angeboten und Geschenkideen für die Liebsten geworben. Und wie alle Jahre stehen wir vor einem von zwei Problemen: Entweder uns fehlt noch ein Valentinstags-Date oder die bestehende Liebe ist bereits etwas eingeschlafen und es fehlt die Leidenschaft. Statistiken belegen aber, dass es vielen am Valentinstag hauptsächlich um Sex geht. Diesen also gleich „Sex-Tag“ zu nennen, hätte Vorteile – in der Partnerschaft wie im Bekanntenkreis.

Vor allem, weil der 14. Februar im Kalender vieler englischsprachiger Länder nicht nur für den Valentinstag, sondern seit den späten 1980er Jahren auch für den nationalen Tag des Kondoms (engl. National Condom Day) steht.

Am Valentinstag machen Blumenläden vermutlich den besten Umsatz des Jahres. Aber wie stehts in deiner Apotheke? Wird dieser Tag genutzt, um Last-Minute-Geschenke an den Mann oder die Frau zu bringen? Wie handhaben das die Kollegen? Nutzt ihr den Valentinstag für besondere Aktionen? Oder ist er ein Tag wie jeder andere?

Im Apothekenalltag total vergessen und noch keine Aktion im Team geplant? – Kein Thema! Hier kommen ein paar schnelle Tipps, um den „Tag der Liebe“ für die Kunden und für deine Kollegen attraktiv zu gestalten:

Gehwegstopper

Eine einfache Möglichkeit, auf Valentinstags-Angebote aufmerksam zu machen, ist ein Plakat im Gehwegstopper – besser noch, daran befestigte Herzluftballons, die zeigen, dass in eurer Apotheke spezielle Artikel zum Valentinstag warten.

Schaufensterdeko

Es kann schon wirkungsvoll sein, innerhalb der alltäglichen Schaufensterdeko kleine zusätzliche Akzente zu setzen, wie Luftballons, Streuherzen oder Rosenblätter. Diese können nach der Aktion auch genauso leicht wieder aus dem Schaufenster entfernt werden, ohne alles neugestalten zu müssen.

Aktionsflächen gestalten

Ein weiterer einfach umzusetzender Tipp ist die Gestaltung einer Aktionsfläche. Diese sollte im direkten Sichtbereich des Kunden liegen und auffällig gestaltet sein. Auch hier können kleine Dekoartikel wie Luftballons oder Rosen helfen, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Steht kein spezieller Platz zur Verfügung, können auch die Schaukästen direkt am HV-Tisch genutzt werden. Für eilige Kunden können dort schon fertig verpackte Geschenksets platziert werden.

Wellness verschenken

Die Klassiker zum Valentinstag sind Kosmetikprodukte. Auch Massage- oder Aromaöle eignen sich, um ein bisschen Wellness zu verschenken. Eine gute Möglichkeit sind auch Tees, Säfte, Badesalze oder Wohlfühlbäder. Den sportlich aktiven Kunden kann die Apotheke Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel anbieten. Für ältere Kunden eignen sich auch Einreibungen. Genauso ist es eine schöne und leicht umsetzbare Idee, aktiv Geschenkgutscheine zum Valentinstag anzubieten.

Rabattaktionen

Viele Kosmetikhersteller werben zur Valentinswoche mit bestimmten Rabattaktionen. Diese können mit ausgedruckten Aktionsschildern am jeweiligen Regal oder dem HV-Tisch in den Vordergrund gerückt werden. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, eigene, individuelle Rabatte zu gewähren. Auf diese Weise können Kosmetikserien, die sich eher langsam verkaufen, eine neue Chance bekommen. Es lohnt sich auch, die sozialen Medien zu nutzen, um Kunden mit dieser Aktion zu erreichen, die nicht direkt vor Ort sind.

Geschenke zum Valentinstag für den Apothekenkunden

Kleine Geschenke zur Kundenbindung sind gang und gäbe. Am Valentinstag, der gleichzeitig auch der offizielle Tag des Kondoms ist, können es passende Goodies sein: Einzelne Rosen, kleine Säfte, hochwertige Kosmetikproben oder eben auch einmal ein Verhüterli* – wenn ihr euch traut.

Abschließend

Egal wo – die Botschaft des 14. Februar bleibt länderübergreifend gleich, ganz egal wie wir den Tag nennen. Auch kurzfristig können in der Apotheke noch Aktionen für den „Tag der Liebe“ realisiert werden, in Form von Dekoration, Rabatten und kleinen Aufmerksamkeiten. In diesem Beitrag haben wir euch einige Möglichkeiten vorgestellt. In diesem Sinne: Schenkt euch Liebe und habt Spaß miteinander. Schönen Valentinstag!

 

*In eigener Sache

apothekia® traut sich dieses Jahr und verlost zum 14. Februar exklusive „einhorn“ Kondome – Macht mit!

 

Quellen

Löwe. C.: Nationaler Kondom-Tag am 14. Februar: DAS sind die beklopptesten Kondom-Meldungen aller Zeiten. MM New Media GmbH, 2017 (Stand 13.02.2020)

o.A.: Zum Nationaltag des Kondoms. Zehn kuriose Fakten über Kondome. HAMBURG ZWEI. (Stand 13.02.2020)

Symbolbild Fußpilz via Gratisography
Was geht eigentlich bei Fußpilz?

Fußpilz tritt sehr häufig auf. Bei der auch als Tinea pedis oder „Fußmykose“ bekannten Hauterkrankung handelt es sich um ein Problem, das eigentlich leicht zu lösen ist. Eine konsequente Behandlung der befallenen Stellen mit Antimykotika hilft, den Fußpilz loszuwerden. Obwohl es nicht nur einen Erreger gibt und die Pilzerkrankung unterschiedliche Formen annehmen kann, ist Fußpilz leicht zu erkennen. Die Haut an den Füßen ist in diesen Fällen krankhaft verändert und juckt oft auch noch. Sie kann gerötet sein, kleine Defekte oder Pusteln aufweisen, sich an der Fußsohle verdicken und schuppen oder zwischen den Zehen weißlich werden und aufquellen. Sind nur die Füße befallen, können Betroffene sich gut selbst behandeln. Trotzdem ist es gut, einen genaueren Blick auf die Fußpilzerreger zu werfen, um sie besser bekämpfen zu können.

Die üblichen Verdächtigen

In Untersuchungen zeigte sich, dass eine Erregerfamilie in 98 bis 100% der Fälle bei Fußpilz nachweisbar ist: Dermatophyten, deutsch: Fadenpilze. In mehr als der Hälfte dieser Fälle war es eine Art namens Trichophyton rubrum, in einem Drittel der Fälle Trichophyton mentagrophytes. T. rubrum befällt vor allem Menschen, T. mentagrophytes auch Haustiere. Als Fadenpilze haben sich beide Arten auf Keratin aus Hornsubstanz, spezialisiert. Diese findet sich in den Hornzellen in der obersten Hautschicht und in den Nägeln.

Fußpilz greift die Haut also direkt an. Wird der Hautpilz nicht frühzeitig und ausreichend behandelt, breitet er sich auch auf Fuß- und Fingernägel aus. Die Pilzzellen sondern Enzyme ab, die den Hautbaustein Keratin aufspalten. Die so freiwerdenden Nährstoffe werden dann über die Zellwand aufgenommen. Auf diese Art können Dermatophyten wachsen. Als Pilze bilden sie dabei ein Geflecht aus Pilzfäden, das Myzel. Das angegriffene Gewebe reagiert mit einer Entzündungsreaktion.

Einfallstore für den Fußpilz

Dermatophyten verbreiten sich über Sporen. Diese können Temperaturen von bis zu 80 Grad überleben. Feuchtigkeit und Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad bieten Dermatophyten die besten Wachstumsbedingungen. Auch vom Pilz befallene Hautschüppchen können zur Ansteckungsquelle werden. Der Boden in Gemeinschaftsduschen und Schwimmbädern ist daher die klassische Ansteckungsquelle, denn hier treffen nackte Füße auf ein dauerhaft feuchtes, warmes Milieu. In einer Studie zeigte sich aber, dass auch vermeintlich neue Schuhe in Geschäften oft schon mit Pilzsporen kontaminiert sind. Badelatschen und Porbiersocken tragen sowie neue Schuhe mit antimykotischen Pudern, Gels oder Cremes zu behandeln, ist darum sinnvoll.

Auch die Haut an den Füßen ist durch die sogenannte Hautbarriere geschützt. Dass Fußpilz so häufig ist, liegt daran, dass unsere Art zu leben ihm hilft, diese Hautbarriere zu überwinden: Moderne Menschen tragen in unseren Breiten eigentlich immer Schuhe. Oft sind diese Schuhe eng oder wenig atmungsaktiv. Die Haut wird also beim Gehen und Stehen belastet, erleidet winzige Verletzungen, durch die Pilze eindringen können. Wenn der Fuß nicht atmen kann, weil Schuhe oder Socken aus Synthetikmaterial es nicht zulassen, bleibt er feucht. Die Haut weicht auf und bietet dem Pilz einen idealen Nährboden.

Dermatophyten wachsen bei Feuchtigkeit und Wärme. Besonders gut wachsen sie aber bei Temperaturen, die ein paar Grad unter der gesunden menschlichen Hauttemperatur liegen. Rauchen, Diabetes und Durchblutungsstörungen sorgen oft für kalte Füße. Das Risiko für eine Infektion steigt damit.

Ein weiteres Einfallstor für Pilze ist der Fußpilz selbst. In manchen Fällen bereitet der Dermatophyt Candida-Hefen oder Schimmelpilzen den Weg. Die Folge ist eine Mischinfektion.

Einfache Lösungen?

Gegen Pilze als Krankheitserreger helfen Antimykotika. Hier stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die an unterschiedlichen Stellen in den Stoffwechsel des Pilzes eingreifen. Soweit so einfach, aber besonders wenn sie gestresst werden, bilden Hautpilze oft Sporen. Das Hauptmerkmal dieser Sporen ist, dass sie kaum Stoffwechselaktivität aufweisen. Aus ihnen kann aber ein neuer Pilz wachsen, sobald sich die Bedingungen verbessern. Das schützt die Pilzsporen vor Trockenheit aber auch vor vielen Fußpilzmitteln. Wird die Therapie also vor Ablauf des empfohlenen Zeitraums abgebrochen, kann sich der Pilz wieder ungehindert aus den Sporen entwickeln. Das heißt, dass Betroffene den Fuß selbst dann weiterbehandeln müssen, wenn die Haut sich scheinbar schon erholt hat.

Bei Bifonazol-Salbe gegen Fußpilz beträgt die empfohlene Therapiedauer beispielsweise drei Wochen. Wie bei den meisten einfachen Lösungen, sind Konsequenz und Disziplin hier der Schlüssel zum Erfolg.

Willst du mehr wissen?

Die Grundlagen zu Aufbau und Funktion der Menschlichen Haut vermitteln wir dir in unserem Grundmodul Haut.

 

Quellen

Lennecke, Kirsten; Hagel, Kirsten: Selbstmedikation. Leitlinien zur pharmazeutischen Beratung. 6., aktualisierte und erweiterte Auflage. Deutscher Apotheken Verlag, Stuttgart 2016, S. 81-83

O.A. Tinera Pedis und deren Erregerspektrum in: DAZ 2004, Nr. 18, S. 85, 25.04.2004, Abrufdatum 01.07.2019.

Vaubel J. (2009): Mykologie. Pilz-Infektionen. Infektionskrankheiten der Haut, Hautanhangsgebilde und der angrenzenden Schleimhäute. (Vorlesung an der UK Essen im Wintersemester 2009). Abrufdatum 01.07.2019.

Tietz, H. J. : Pilzinfektionen sind heilbar. Therapien der häufigsten Mykosen. In: DAZ 2011, Nr. 20, S. 70, 19.05.2011. Abrufdatum 01.07.2019.

Tietz H. J. und Ulbricht H. (2005). Nachweis von Pilzerregern in ausgestellten Verkaufsschuhen aus dem Schuhgeschäft. Haut XVI: 214-215.

Warzen
Warzen: Vorbeugen, verätzen, vereisen

Der Sommer ist zurück und mit ihm die Badesaison. Die meisten von uns treibt es bei den heißen Temperaturen ins nächste Freibad. Doch besonders in Schwimmbädern ist das Risiko, sich mit Warzen anzustecken, sehr hoch. Wieso das so ist und was deine Kunden gegen Infektionen und insbesondere gegen Warzen tun können, erfährst du in diesem Artikel.

Unschön, ansteckend – harmlos

Warzen sind in der Regel harmlos, werden jedoch aufgrund ihres unschönen Aussehens auf der Haut als lästig empfunden. Die kleinen sichtbaren Wucherungen auf der Haut sind vor allem an Füßen und Händen zu finden, weshalb sie auch nur schlecht versteckt werden können. Darüber hinaus können einige Warzen, wie die Dornwarzen sogar Schmerzen verursachen, indem sie im Gegensatz zu anderen Warzenarten nach innen wachsen.

Ausgelöst werden die meisten Warzenarten durch dieselben humanen Papillomaviren (HPV), die über direkten Hautkontakt oder über Oberflächen und Gegenstände übertragen werden. Schwimmbäder, Saunen, Fitnessstudios und Hotelzimmer bergen ein besonders hohes Ansteckungsrisiko. Die meisten Besucher sind hier barfuß unterwegs, was das Ansteckungsrisiko erhöht. Hinzu kommt, dass die Viren leichter in die Haut eindringen können, wenn diese durch längere Wasseraufenthalte feucht und aufgeweicht ist.

So haben Warzenviren wenig Chancen
  • Badelatschen sind eine gute Alternative zum Barfußlaufen
  • Auch Textilien und die Badeschuhe der anderen sind Ansteckungsquellen – seine eigenen verwenden schützt
  • Wer schon Warzen hat, senkt das Ansteckungsrisiko für andere mit einem einfachen Trick: Pflaster drauf
Was wenn die Warze schon da ist?

Warzen heilen in der Regel von selbst ab, weshalb auch einfach gewartet werden kann, bis sie wieder verschwinden. Der natürliche Heilungsprozess kann allerdings Monate bis Jahre dauern. Wenn deine Kunden nicht so lange warten wollen, kannst du sie über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten aufklären. Von Experimenten mit scharfen Gegenständen ist generell abzuraten, da sich bei offenen Warzen die Viren ausbreiten und noch mehr Warzen verursachen können. Stattdessen gibt es andere Mittel, mit denen Warzen gut behandelt werden können.

Tinkturen mit Salicylsäure

Häufig kommen Tinkturen mit Salicylsäure zum Einsatz gegen Warzen. Sie werden topisch auf die Warze aufgetragen und bewirken, dass sich die Hornzellen ablösen. Die verhornte Haut samt Warze wird dadurch nach und nach abgetragen. Tinkturen mit Salicylsäure sollten zweimal täglich aufgetragen werden. Es ist hilfreich, vor dem nächsten Auftragen, den auf der Haut eingetrockneten Film vorsichtig abzuziehen. Außerdem ist es sinnvoll, die umliegende Haut durch Vaseline oder Zinkpaste abzudecken, um eine weitere Ausbreitung der Herpesviren zu vermeiden. Darüber hinaus sollte wöchentlich in einem warmen Hand- oder Fußbad die verbleibende Hornhaut vorsichtig abgetragen werden.

Hornhautlösende Pflaster

Wirkstoffhaltige Pflaster werden passgenau zugeschnitten und auf der Warze fixiert. Das Pflaster sollte zwei Tage auf der Warze kleben bleiben, bevor es erneuert wird. Auch hier muss die Hornschicht anschließend nach einigen Tagen mechanisch entfernt werden. Die umliegende und gesunde Haut sollte durch beispielsweise ein Fixierpflaster geschützt werden.

Präparate mit Monochloressigsäure

Im Umgang mit Monochloressigsäure ist vorsichtig geboten, da es bei der falschen Anwendung zu gefährlichen Verletzungen der Haut kommen kann. Auch hier sollte die umliegende und gesunde Haut geschützt werden. Präparate mit Monochloressigsäure bewirken ein Absterben der Warzenoberfläche und müssen nur einmal wöchentlich aufgetragen werden. Es dürfen jedoch nur max. zwei Quadratzentimeter auf einmal behandelt werden, das entspricht etwa einer 1-cent-Münzen-großen Fläche. Liegt das Präparat als Lösung vor, sollte die Behandlung von einem Arzt durchgeführt werden. Als Pen ist es jedoch als Selbstmedikation möglich.

Warzen vereisen – Kryotherapie

Darüber hinaus lassen sich Warzen auch in Eigenregie vereisen. Dabei erzeugen Präparate zur Vereisung Temperaturen von -50 Grad Celsius. Natürlich ist bei solchen Sprays zur Vereisung ein gewisses Maß an Vorsicht geboten. Die Warzen sollten auch nur im Abstand von jeweils zwei Wochen behandelt werden. Direkt umliegende Warzen sollten nicht gleichzeitig, sondern in einem Abstand von 2 Wochen hintereinander behandelt werden. Auch hier sollte die umliegende Haut beispielsweise mit Vaseline geschützt werden. Bei Dornwarzen ist es empfehlenswert, vor der Anwendung die Hornhaut vorsichtig mit einer Feile abzutragen.

Nicht-medikamentöser Tipp: Geduld

Egal welche der Behandlungsoptionen deine Kunden wählen, in allen Fällen sollten sie sich in Geduld üben. Warzen sind hartnäckig und verschwinden in der Regel nicht über Nacht. Mit der richtigen Behandlung und den passenden Schutz vor Ansteckung können Warzen jedoch effektiv und nachhaltig bekämpft werden.

 

Willst du mehr wissen?

Im Aufbaumodul Warzen erfährst du noch mehr zum Thema.

Quellen

Pues, M.: Warzen. Leben undercover. (Stand 01.2011), Abrufdatum 25.06.2019

Hüttemann, D.: Pinseln, Verätzen und Vereisen. So wird man Warzen wieder los. (Stand 10.2018), Abrufdatum 25.06.2019

Mende, A.: Warzen. Dorn oder Delle. (Stand 04.2016), Abrufdatum 25.06.2019

Stolze, I; Henning, H.: Viruswarzen. Kein Hexenwerk. (Stand 04.2010), Abrufdatum 26.06.2019

Werner, S.: Bitte Geduld! Warzen wirksam selbst behandeln. (Stand 05.2014), Abrufdatum 25.06.2019

 

Richtige Medikation Kinder
Apothekentag – „Richtige Medikation für Kinder“

Ein Kind isst auf einer Geburtstagsparty ein Stück Kuchen. In dem Kuchen sind allerdings Erdnüsse enthalten, auf die das Kind allergisch reagiert. Es bekommt Atemnot und Schwindelanfälle. Die anwesenden Erwachsenen erleben so eine Reaktion zum ersten Mal und sind überfordert: Sie wissen nicht wie sie vorgehen sollen und sind unsicher mit der Verwendung der nötigen Notfall-Arzneimittel.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig die richtige Medikation von Kindern in Notfallsituationen ist. Wie richtig gehandelt wird und wie Notfall-Arzneimittel richtig verabreicht werden, sollten Eltern und Menschen aus pädagogischen Berufen deshalb im Vorfeld üben. Anlässlich des diesjährigen Apothekentags am 7. Juni verweist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) unter dem Motto „Richtige Medikation für Kinder“ auf die speziellen Hilfestellungen in den Apotheken.  Viele Apotheken in Deutschland machen an diesem Aktionstag auf Leistungen speziell für die Behandlung von Kindern aufmerksam. Eltern, Erzieher und Lehrer und alle weiteren Personen, die mit Kindern arbeiten, können sich demonstrieren lassen, wie Notfall-Arzneimittel bei Kindern richtig angewendet werden.

Wenn der Fall einer schweren allergischen Reaktion, ein anaphylaktischer Schock, eintritt, sollten die verantwortlichen Erwachsenen anhand der Symptome erkennen können, womit sie zu tun haben. Hierzu sollten sie über typische Merkmale einer Allergie Bescheid wissen. Da die Schwere der Symptome nur selten vorhergesagt werden kann, sollte nicht abgewartet werden, ob sie von selbst abklingen. Unbehandelt können akute schwere allergische Reaktionen bei Kindern tödlich enden. Deshalb ist es wichtig, dass die Notfall-Arzneimittel nicht nur immer in Reichweite sind, sondern die Erwachsenen auch mit der Anwendung vertraut sind. Außerdem sollte so schnell wie möglich ein Notarzt verständigt werden. Ebenso sollten auch ärztlich verschriebene Antihistaminika oder Kortison griffbereit sein. Dabei ist zu bedenken, dass die ebenfalls zum Notfallset gehörenden beratungsintensiven Adrenalin-Autoinjektoren wegen Lieferproblemen der Anbieter aktuell in Apotheken kaum verfügbar sind.

Beispiele für weitere Notfall-Arzneimittel, deren Anwendung Erwachsene üben sollten, sind Dosieraerosole bei Asthmaanfällen sowie Rektiolen oder Mundspritzen bei epileptischen Anfällen von Kindern.

Willst du dein Wissen auffrischen?

Im Grundmodul Allergie erfährst du das Wichtigste zu allergischen Reaktionen.

 

Quellen:

Pressemitteilung der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.: Tag der Apotheke 2019 (04.06.2019)

Pressemitteilung der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.: Eltern und Erzieher sollten mit Notfall-Arzneimitteln für Kinder üben (04.06.2019)

 

Stress und Magen-Darm
Wenn Stress auf den Magen schlägt

Wer kennt das nicht? Das flaue Gefühl im Magen vor einer wichtigen Prüfung oder einem Bewerbungsgespräch? Stressige Situationen, wie Auftritte vor einem Publikum oder Präsentationen vor der Arbeitsgruppe, können bei manchen von uns Magen-Darm-Probleme hervorrufen. Einige rennen dann häufiger zur Toilette. Anderen ist vor Aufregung ganz übel. Kein anderes Organ reagiert so sensibel auf Belastungssituationen wie unser Magen-Darm-Trakt.

Doch wieso wirkt sich Stress auf unseren Magen aus?

In Belastungssituationen werden die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol freigesetzt. Diese nehmen Einfluss auf verschiedene Körperfunktionen. Die Stresshormone sorgen beispielsweise dafür, dass wir schneller atmen, unser Herz schneller schlägt und die Muskulatur stärker durchblutet wird. Der Körper wird in Abwehrbereitschaft versetzt. Diese Reaktion hat unseren Vorfahren früher das Überleben gesichert. Diese körperlichen Reaktionen sind heute noch dieselben, allerdings werden sie in der heutigen Gesellschaft sehr selten durch lebensbedrohliche Situationen, wie Angriffe, Kälte und Hunger ausgelöst, sondern vielmehr durch Zeitmangel, Leistungsdruck und Reizüberflutung.

In unseren alltäglichen Stresssituationen kann das dann schon einmal dazu führen, dass reguläre Tätigkeiten des Darms, wie die Verdauung vom Körper hintenangestellt werden. Die Darmtätigkeit wird heruntergefahren und der Nahrungsbrei wird nicht weiter transportiert. In Extremfällen will der Körper die Nahrungsreste so schnell wie möglich loswerden. Der Nahrungsbrei wird dann schnell aus dem Darm geschleust und es kommt zu unangenehmem Durchfall. Bei einigen verursacht die akute psychische Belastung auch Übelkeit und Erbrechen. Manche Menschen wiederum reagieren auf Stress mit einer erhöhten Produktion der Magensäure, was zu Sodbrennen führen kann.

Paradoxerweise erweist sich die bewährte Kampf-oder-Flucht-Reaktion des Körpers im modernen Leben als Hindernis. Schließlich verursachen Magen-Darm-Probleme kurz vor einer wichtigen Prüfung oder Präsentation vor allem eins – noch mehr Stress.

Darüber hinaus erhöht chronischer Stress das Risiko ernsthaft zu erkranken. Die Dauerbelastung begünstigt die Entwicklung verschiedener Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht. Diese zählen – zusammen mit ebenfalls durch Dauerstress mitverursachten Bluthochdruck und erhöhter Gerinnungsneigung – zu den Risikofaktoren für die Entstehung von Herzkreislaufkrankheiten, z.B. koronare Herzkrankheit oder Schlaganfall.

Den Magen-Darm-Trakt in Stresssituationen beruhigen

In erster Linie sollte Stress so gut es geht reduziert werden. Dafür sollten Konfliktsituationen beseitigt und Erholungsphasen eingebaut werden. Entspannungsübungen und Sport können helfen das Stressniveau insgesamt zu senken. Pausen während der Arbeit, Spaziergänge an der frischen Luft und mentale Auszeiten können Anspannung und Stress reduzieren. Ausreichend Schlaf ist ebenfalls wichtig, damit der Körper erholt in den Tag starten kann.

Zusätzlich ist es hilfreich, wenn Ernährungsgewohnheiten angepasst werden. Betroffene sollten sich ausreichend Zeit fürs Essen nehmen. Hastiges Essen selbst kann nämlich zur Entstehung von Magen-Darm-Beschwerden beitragen. Durch eine ruhige Atmosphäre beim Essen kann außerdem eine weitere Auszeit in den Alltag eingebaut werden. Vor absehbaren Stresssituationen sollten besser leichte und fettarme Mahlzeiten zu sich genommen werden, die dem Körper die Verdauung erleichtern. Alkohol und Nikotin hingegen belasten den Magen zusätzlich. Kaffee wiederum kann vorhandene Nervosität verstärken und regt die Darmtätigkeit an. Menschen, die in Stressphasen zu Magen-Darm-Beschwerden neigen, sollten hier vorsichtig sein. Einen Vorteil haben die Stresshormone Cortisol und Adrenalin immerhin: Sie machen auch ohne Kaffee wach.

Willst du mehr wissen…?

In unseren Modulen  Stress und Funktionelle Magen- und Darmbeschwerden erfährst du mehr über die Auswirkungen von Stress auf den Körper sowie über die Funktionsweise des Magen-Darm-Trakts. Auch in unserer Podcast-Episode „akute Magen-Darm-Beschwerden“ reden unsere Sprecher Theresa und Michael über den Zusammenhang von Stress und Magen-Darm-Beschwerden und wie schwer es ist, in der Apotheke einfach mal Stressreduktion zu empfehlen.

 

Quellen

Gekle M: Funktion des Magen-Darm-Trakts, Energiehaushalt und Ernährung. In: Klinke R et al.: Physiologie. 5., komplett überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart 2005, S. 408 ff.

Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (Hg.): Psyche und Verdauungssystem. Abrufdatum 29.05.2019

Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (Hg.): Stress. Abrufdatum 28.05.2019

Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e.V. (Hg.): Stress jeder Art vermeiden. Abrufdatum 28.05.2019

Gräfe, Kerstin. A.: Bauchbeschwerden. Wenn der Darm die Nerven verliert. (Stand 04.2008), Abrufdatum 29.05.2019

Monks – Ärzte im Netz GmbH (Hg.): Wenn die Psyche auf die Verdauung schlägt. (Stand 09.2013), Abrufdatum 29.05.2019

Ruß, Verena: Magenprobleme. Schleimhaut im Stress. (Stand 05.2015), Abrufdatum 29.05.219

Blähungen
Blähungen – ein unangenehmes Thema

Jeder Mensch muss pupsen, sogar durchschnittlich acht bis zehn Mal am Tag. Blähungen sind etwas ganz Natürliches und überlebenswichtig für uns. Trotzdem sind sie den meisten Menschen unangenehm. Oft hängt das mit den damit verbundenen Geräuschen und Gerüchen zusammen. So verkneifen sich einige ihre Pupse sogar so lange, bis sie Bauchschmerzen bekommen. Richtig unangenehm kann es jedoch für diejenigen werden, die unter Flatulenzen leiden. Unter Flatulenzen wird ein verstärktes Entweichen von Darmgasen verstanden. Solche krankhaften Blähungen können den Alltag der Betroffenen stark einschränken. Es kann vorkommen, dass Betroffene mehr als 24 Mal am Tag pupsen müssen. Da stellt sich das Einhalten von Darmwinden etwas schwieriger heraus.

Doch wieso pupsen wir und was passiert währenddessen in unserem Körper?

Wenn wir essen, schlucken wir mit der aufgenommenen Nahrung gleichzeitig Luft. Menschen, die hastiger essen, schlucken dabei mehr Luft. Weil die Luft wieder raus muss, sucht sie sich verschiedene Ausgänge. Sie kann wieder aus dem Magen durch die Speiseröhre entweichen, was wir als Rülpsen oder Aufstoßen kennen. Da nicht die gesamte Luft auf diesem Weg heraustransportiert wird, gelangt ein kleiner Teil der Luft in die unteren Etagen des Verdauungstrakts, dem Darm. Zusätzlich fallen im Darm Gase an, die bei der Verdauung selbst entstehen. Auch diese wollen den Körper wieder verlassen. Ein Teil der eingeatmeten Luft und der entstandenen Darmgase können über das Blut in die Lungen gelangen und wieder ausgeatmet werden. Der andere Teil muss den engen Darm passieren.

Sobald die restlichen Darmgase im hinteren Teil des Darms, dem inneren Schließmuskel angekommen sind, realisiert das Gehirn: Ich muss Pupsen. Doch bevor ein Pups entweicht, überprüft das Gehirn erst einmal unsere Außenwelt. Ist die Situation vielleicht gerade unpassend? Befinden wir uns in einer Teambesprechung? Oder sitzen wir gemütlich zu Hause auf dem Sofa? Je nach Situation gibt das Gehirn das passende Signal zurück an den äußeren Schließmuskel. Der äußere Schließmuskel kann im Gegensatz zum inneren willentlich gesteuert werden. Wenn zum Beispiel das Gehirn entscheidet, dass es gerade unpassend ist, kann sich der äußere Muskel verschließen und den Pups für eine gewisse Zeit zurückhalten. Letztendlich können wir einen Pups nicht ewig zurückhalten, so dass er früher oder später entweichen muss. Besonders das häufige Zurückhalten von Pupsen und insbesondere bei anhaltenden Blähungen oder Flatulenzen kann zu Beschwerden, wie Völlegefühl und Bauchschmerzen führen.

Wie kommt es zu krankhaften Flatulenzen?

Häufig hängen Flatulenzen davon ab, was und wie wir essen. Zu schnelles Essen oder Sprechen beim Essen können zu mehr Luft im Bauch und somit auch zu übermäßigen Flatulenzen führen. Bestimmte Nahrungsmittel, wie Obst und Gemüse, Müsli und Milchprodukte können beim Verdauungsprozess mehr Gase produzieren und ebenfalls Flatulenzen begünstigen. Auch Hülsenfrüchte, Kohl, frisches Brot und Zwiebeln können aufblähend wirken. Unverträglichkeiten von Milch- oder Fruchtzucker oder eine gestörte Darmflora können ebenfalls zu Flatulenzen führen.

In den allermeisten Fällen sind Flatulenzen harmlos. Da sie aber lästig und unangenehm sein können, sollten Nahrungsunverträglichkeiten vermieden werden. Zusätzlich kann viel Bewegung helfen den Darm zu entlasten und unangenehme Flatulenzen vorzubeugen. Darüber hinaus kann eine Tasse Fenchel oder Kümmeltee auch nicht schaden.

 

Wir finden Magen und Darm hoch spannend. Du auch? Schau doch mal bei unseren Modulen zum ThemaGrundmodul Magen-Darm und  Aufbaumodul Funktionelle Magen- und Darmbeschwerden vorbei.

Quellen

Enders, Guilia: Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ.

Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (Hg.): Was gegen Blähungen hilft. (18.10.2017)

Pschyrembel online: Flatulenz. (09.2018)

Reizdarm
Hilfe bei Reizdarm

Jeder Mensch hat gelegentlich Darmbeschwerden. Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall dürften den meisten nicht unbekannt sein. Häufig treten die Probleme auf, wenn wir etwas „Falsches“ essen oder an einer Magen-Darm-Grippe erkranken. In der Regel verschwinden die Probleme so plötzlich wie sie aufgetreten sind.

Personen mit Reizdarm haben dagegen wesentlich öfter und länger mit Darmproblemen zu tun. Bei einer Reizdarmerkrankung halten die Beschwerden häufig länger als 3 Wochen an und können somit den Alltag bestimmen. Denn bei langanhaltenden Beschwerden kann sich das dauerhaft auf die Lebensweise der Person auswirken. Alltägliche Dinge wie Restaurantbesuche werden vermieden, da die Beschwerden an öffentlichen Orten als unangenehm empfunden werden. Auf Reisen können sich die Probleme sogar verstärken und den Urlaub vermiesen. In fernen Ländern unterscheiden sich die lokalen Ernährungsgewohnheiten sehr stark von unseren, was Magen und Darm zusätzlich belasten kann. Zudem stehen die Betroffenen häufig allein mit ihren Problemen dar, weil sie sich schämen, über Beschwerden wie Blähungen und Verstopfungen zu sprechen.

Diagnose Reizdarm

Die Ursachen einer Reizdarmerkrankung sind bisher nicht genau geklärt. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass bei Reizdarmpatienten die Darmbewegungen gestört sind. Zudem ist die Darmschleimhaut besonders empfindlich gegenüber Reizungen. Die Patienten reagieren außerdem empfindlicher auf Schmerzen, da die Schmerzschwelle im Darm im Vergleich niedriger ist.

Menschen, die unter einem Reizdarm leiden, können von vielen unterschiedlichen Symptomen geplagt werden. Häufig treten in Folge der Reizdarmerkrankung Beschwerden wie Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten mit Verstopfung oder Durchfall, Blähungen und Völlegefühl auf. Der Schweregrad der Beschwerden kann dabei von Person zu Person unterschiedlich ausfallen.

Tipps gegen Reizdarmbeschwerden

Ein Reizdarm ist in der Regel nicht heilbar. Wir können den Darm allerdings durch bestimmte Verhaltensweisen unterstützen. Mit einer ausgeglichenen Lebensweise und einer gesunden Ernährung kann bereits viel für den Darm getan werden, damit dieser sich wohl fühlt.

Entspannungstechniken

Da der Darm sensibel darauf reagiert, wie wir uns gerade fühlen, sollten wir Stress so gut es geht vermeiden. Sind wir gestresst, kann sich das nämlich auf unseren Darm auswirken. So können häufig Entspannungstechniken wie Yoga-Übungen helfen, Stress zu bewältigen und das innere Gleichgewicht zu finden. Das wirkt sich auch positiv auf den Darm aus.

Gesundes und ausgewogenes Essen

Entscheidend für unsere Darmfunktion ist auch was und wie viel wir essen. Für eine gute Funktion des Darms eignen sich besonders naturbelassene Lebensmittel wie Obst und Gemüse. Nahrungsmittel, die nicht vertragen werden, sollten vermieden werden. Darüber hinaus ist eine Ballaststoffreiche Kost wichtig. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Menge von mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag. Hierbei sollte die empfohlene Menge beachtet werden, da bei vermehrter Aufnahme von Ballaststoffen der Darm überfordert werden kann und Blähungen entstehen können.

Es wird empfohlen, die tägliche Menge an Ballastoffen langsam zu steigern und nach eigenem Empfinden anzupassen. Gut geeignet für eine ballaststoffreiche Ernährung sind Haferflocken, Leinsamen oder Flohsamen, da sie die Gleitfähigkeit des Stuhls erhöhen.

Bewusstes Essen

Doch nicht nur was wir essen, sondern auch wie wir essen ist entscheidend für eine gute Darmfunktion. Indem wir bewusst essen, kann vieles für den Darm getan werden. Die Nahrung sollte deshalb langsam und in Ruhe gegessen werden. Ebenfalls sollte das Essen gut gekaut werden. Dazu empfiehlt es sich, das Essen bis zu 30-mal zu kauen ehe es runtergeschluckt wird. Die Nahrung wird bereits im Mund vorverdaut und kann somit die nachfolgenden Stationen Magen und Dünndarm entlasten.

Viel Trinken

Für eine gute Darmfunktion benötigt unser Körper viel Flüssigkeit. Fehlt dem Darminhalt Flüssigkeit, bewegt er sich zu langsam vorwärts und es kann zu Verdauungsproblemen wie beispielsweise Verstopfungen kommen kann. Wir sollten daher 2 Liter Wasser oder Tee am Tag trinken.

Viel Bewegung

Darüber hinaus beeinträchtigt zu wenig Bewegung die Darmfunktion. Sportarten, die die Bauchmuskeln trainieren wie zum Beispiel Wandern, Schwimmen oder Radfahren bringen unseren Darm dagegen in Schwung.

Wir finden Magen und Darm hoch spannend. Du auch? Schau doch mal bei unseren Modulen zum ThemaGrundmodul Magen-Darm und  Aufbaumodul Reizdarm vorbei.

Quellen

Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.: Ballaststoffe – kein überflüssiger Ballast (2008)

Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (Hg.): Was ist ein Reizdarm? , Abrufdatum 26.03.2019

Heuschnupfen
Neue Erkenntnisse bei der Heuschnupfentherapie

Die Temperaturen werden allmählich wieder zweistellig und lassen auf den Frühling hoffen. Doch mit dem warmen Wetter kommt auch die Pollenzeit, die Allergikern wie jedes Jahr zu schaffen macht. Ein großer Teil leidet zu dieser Zeit unter Heuschnupfen mit seinen typischen Symptomen wie Niesen, Schnupfen und Augenjucken. Die lästigen Beschwerden lassen sich mit verschiedenen Medikamenten kurzzeitig lindern, eine dauerhafte Verbesserung erzielt allerdings nur eine spezifische Immuntherapie (SIT). Was genau bei dieser Therapie in unserem Körper passiert, war bislang nicht eindeutig. Ein Forschungsteam der Technischen Universität München ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Dazu wurden 32 Menschen mit Heuschnupfen mit einer spezifischen Immuntherapie behandelt und während der Behandlungszeit von 3 Jahren beobachtet.

Spezifische Immuntherapie

Die Behandlung mit der spezifischen Immuntherapie ist bei vielen bekannt. Das Immunsystem wird mit dem Allergen konfrontiert, auf welches es mit den typischen Beschwerden reagiert. Häufig werden die Allergene (Pollen) mit Spritzen in den Körper injiziert. Am Anfang der Behandlung wird erst eine geringe Dosis des Allergens in den Körper gegeben. Diese wird dann nach und nach erhöht bis eine sogenannte Erhaltungsdosis erreicht ist. Anschließend wird drei Jahre lang die Erhaltungsdosis in den Körper gegeben. Der Körper soll sich so langsam an die Allergene gewöhnen und lernen, diese zu tolerieren. Ziel ist es, dass der Körper seine abwehrenden Reaktionen gegen die Allergene dauerhaft unterbindet.

Was passiert während der Immuntherapie in unserem Körper?

Bisher wurde sich in der Allergieforschung vermehrt auf die Rolle verschiedener T-Zellen konzentriert und weniger auf die Rolle der B-Zellen. T-Zellen und B-Zellen dienen jeweils der Immunabwehr.Das Forschungsteam ist der Überzeugung, dass die regulatorischen B-Zellen, die bisher in der Allergieforschung kaum beachtet wurden, eine wichtigere Rolle spielen als bisher angenommen.

Während einer Immuntherapie ändert sich das Verhältnis von pro allergischen und regulatorischen T-Zellen und regulatorischen B-Zellen laufend. Je nachdem wie stark der Pollenflug ausfiel, waren in der Studie entweder die B-Zellen oder die T-Zellen bei den Testpersonen stärker vertreten. Wenn früh in der Immuntherapie viele regulatorische B-Zellen und wenige T-Zellen nachgewiesen wurden, konnten nach der dreijährigen Therapie deutlich weniger Allergiesymptome festgestellt werden. Somit kann sich schon frühzeitig in der Immuntherapie bestimmen lassen, bei welchen Patienten die Behandlung eine Aussicht auf Erfolg haben wird.

Bislang brechen noch viele Menschen die Behandlung ab, weil sie zeitaufwendig ist und sich viele keine Besserung versprechen. Bei einem frühzeitig positiven Ergebnis würde sich das Durchhalten jedoch lohnen und den Betroffenen ein konkretes Ziel vor Augen führen. Sollte die Behandlung anschlagen, werden zudem nicht nur die Symptome gelindert, sondern ein Fortschreiten der Erkrankung hin zum Asthma oder zu neuen Allergien, kann möglicherweise ebenfalls verhindert werden.

Willst du mehr wissen?

Im Grundmodul Allergie und dem Aufbaumodul Heuschnupfen lernst du die wichtigsten Dinge über Allergien und Heuschnupfen kennen.

Quellen

Pressemitteilung der Technischen Universität München: Testzeit Erfolgsaussichten von Heuschnupfen-Therapien (18.10.2018)

Zissler, U.M et al.: Early IL-10 producing B-cells and coinciding Th/Tr17 shifts during three year grass-pollen AIT. EBioMedicine, 36 / 2018, S. 475-488. (Stand 11.10.2018)

Symbolbild Schleim für den apothekia-Magazin-Beitrag zu Schleim und seiner Funktion
Warum Schleim nicht schlecht ist

Schleim ist besser als sein Ruf. Neben der Haut mit ihrer verhornten Dermis bildet er eine wichtige Schutzbarriere des Körpers. Als Schutzfilm auf den Schleimhäuten schützt er Atemwege, Verdauungstrakt und die Fortpflanzungsorgane. Dennoch ist Schleim noch unbeliebter als vergleichbare Flüssigkeiten wie Speichel oder Tränen. Meist bemerken wir ihn nämlich erst, wenn er seine Konsistenz ändert und aufhört, unauffällige Arbeit im Hintergrund zu leisten. In der Erkältungs- und Allergiesaison verwandelt sich Schleim in einen Hauptdarsteller. Wer wieder frei atmen will, versucht einerseits seine Schleimhäute zum Abschwellen zu bewegen und andererseits den überschüssigen Schleim loszuwerden. Aber wo liegt der Unterschied zwischen gesundem und ungesundem Schleim?

Gesunder Schleim

Schleim wird von spezialisierten Zellen in der obersten Schleimhautschicht produziert. Er besteht aus Wasser, unterschiedlichen Proteinen, Lipiden und Elektrolyten. Seine Gel-Konsistenz verdankt er den Muzinen. Das sind Glykoproteine, von denen einige große Mengen Wasser binden. Die langen, schweren Proteinketten bilden ein Netz, das sich quasi vollsaugt. Die Maschen dieses Netzes sind so groß, dass sie Gase und Nährstoffe hindurchlassen, die darunterliegende Membran aber vor schädlichen Mikroorganismen geschützt wird. Zusätzlich finden sich im Schleim Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger, sogenannte Defensive, sowie Antikörper. Unter der Schleimhaut selbst befindet sich ein zusätzlicher Abwehrmechanismus in Form von lymphatischem Gewebe mit zahlreichen Immunzellen.

In den Atemwegen bilden Schleim und das Flimmerepithel mit seinen mikroskopisch kleinen, schlagenden Härchen ein Team: Staub, Pollen und Krankheitserreger werden im Schleim gebunden und durch die Schlagbewegung der Flimmerhärchen in Richtung Rachen abtransportiert wie Festivalbesucher beim Crowdsurfing. Der abtransportierte Schleim wird dann entweder verschluckt oder ausgehustet. Was darin gebunden ist, gelangt dann entweder wieder dahin, wo es herkam, oder wird in der Magensäure neutralisiert. Das funktioniert allerdings nur, weil gesunder Schleim auch sehr flüssiger Schleim ist.

Wann wird Schleim ungesund?

Viren sind klein genug, um das Netz aus Schleim in den Atemwegen zu durchdringen. Manchmal kommt es auch vor, dass die Schleimhäute, insbesondere bei niedriger Luftfeuchtigkeit, einfach austrocken und nicht mehr zuverlässig vor Infektionen schützen. Oder aber Allergien triggern eine überschießende Abwehrreaktion, zu der auch eine übermäßige Schleimproduktion gehört. In all diesen Fällen wird Schleim zum Problem. Das liegt auch daran, dass er aufhört flüssig zu sein. Er enthält weniger Wasser, wodurch das Muzin-Netz engere Maschen aufweist. Darin werden Erreger und Allergene zwar besser gebunden, der Abtransport aber erschwert.

Warum ändert Schleim die Farbe?

Wenn sich im Schleim dann vermehrt abgestorbene Abwehrzellen finden, verändert er die Farbe: Er wird gelb. Manche Immunzellen produzieren das Enzym Myeloperoxidase. Schleim, der viel davon enthält, ist grün. Verfärbter Schleim zeigt so an, dass das Immunsystem hart daran arbeitet, einen Infekt in den Schleimhäuten unter Kontrolle zu bekommen. Anders als oft behauptet, lässt das aber keine Rückschlüsse auf die Art der Krankheitserreger zu. Andere natürlich vorkommende Schleimfarben sind rosa, braun und schwarz. Rosa und braun weisen auf Blutungen der Schleimhaut hin. Schwarz wird Schleim durch Rußpartikel oder -in seltenen Fällen- durch Pilzerkrankungen. (Zu diesem Thema hat die amerikanische Cleveland Clinic ein interaktives „Schleimometer“ veröffentlicht – Link auf Englisch )

Nützlicher Fremdschleim

Körpereigener Schleim erfüllt eine wichtige Funktion. Pflanzliche und synthetisch hergestellte Schleime sind als Werkstoffe und Bestandteile von Arzneimitteln ebenfalls nützlich – auch bei Erkältungen. So legen sich die Schleimstoffe aus Isländisch Moos, Eibisch oder Lindenblüten reizlindernd auf wunde Hälse. Hohen Unterhaltungswert hingegen besitzt Spielzeugschleim. Das bereitet nicht nur Grundschülern und Vorschulkindern Freude, wie Spielschleim als Instagram-Trend der letzten Jahre beweist.

Willst du mehr wissen?

Im Grundmodul Erkrankungen der Atemwege und dem Aufbaumodul Erkältung lernst du die wichtigsten Dinge über die Schleimhäute und was bei Infektionen mit ihnen passiert.

Quellen

Bansil R; Turner BS: The biology of mucus: Composition, synthesis and organization. Advanced Drug Delivery Reviews 124 (2018) 3–15 (Stand: September 2017)

Fahy JV; Dickey BF: Airway Mucus Function and Dysfunction.(Autorenmanuskript, Stand: Juni 2014),

Reichling J: Art. Schleimdrogen (Stand April 2016). Pschyrembel Online.