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Die Dreckapotheke

Dreckapotheke

Die Menschen im 16. Jahrhundert glaubten, dass die Exkremente und Sekrete von Menschen und Tieren, aber auch die Bestandteile der Körper (Animalia) eine medizinische Wirkung hätten. Die Substanzen wurden entweder eingenommen oder direkt auf die betroffenen Körperstellen aufgetragen. Diese Heilmethode wird auch „Dreckapotheke“ genannt.

Bekannte Heilmethoden kamen zum Beispiel aus dem alten Ägypten. Darunter waren Behandlungen wie Straußeneierschalen bei Knochenbrüchen oder die Anwendung einer gekochten grauen Maus gegen graue Haare. Das sogenannte Analogie-Prinzip similia similibus curentur, basiert darauf, dass Ähnliches mit Ähnlichem behandelt werden soll. Es ist in der traditionellen Heilkunde vieler Kulturen zu finden. Die Menschen nahmen nur Zutaten zum Behandeln, die eine gewisse Ähnlichkeit zu der Erkrankung hatten, oder ähnlich benannt waren.

Viele Kulturen glaubten außerdem, dass in verstorbenen Personen oder Tieren ein Teil ihrer Lebenskraft zurückbleibt. Durch die Anwendung von Teilen des toten Körpers sollte die Lebenskaft auf einen lebenden Menschen übertragen und die Erkrankung verbessert werden. Den menschlichen Heilmitteln wurde dabei eine besondere Wirkung zugesprochen, denn der Mensch galt in vielen Kulturen als Ebenbild Gottes.

Johann Joachim Becher, ein deutscher Gelehrter, schrieb im Jahre 1663 verschiedene menschliche Körperteile auf, die er für die Heilkunde als wichtig ansah:

Der Mensch, das Ebenbild, welchs Gott ist angenehm,
hat Vier und Zwantzig Stuck zur Artzeney bequem,
Bein, Marck, die Hirnschal auch, sampt ihrem Mos ist gut,
das Fleisch und Fett, die Haut, Haar, Harn, Hirn, Hertz und Blut,
die Gall, die Milch, der Koth der Schweiss, und auch der Stein,
das gelbe Schmaltz, so in den Ohren pflegt zu seyn,
die Nägel, Speichel, auch die Nachgeburt ist gut,
der Helm, der Samen und das Menstrualisch Blut.

(Johann Joachim Becher: Parnassus medicinalis illustratus, 1663, S. 5)

Die Erfolge der Dreckapotheke wurden von vielen damaligen Ärzten bestätigt. Aus Sicht der Schulmedizin kann heute ein Großteil dieser Behandulungserfolge dem Placeboeffekt zugeschrieben werden. Das heißt, dass in der Dreckapotheke in den meisten Fällen gar kein Wirkstoff drin war.

Beitrag von Schülerpraktikantin Tina